Alina Bronsky: Nenn mich einfach Superheld

BronskyDieses Mal habe ich keinen Debütroman erwischt. Alina Bronsky hat sich in der Literaturwelt längst einen Namen gemacht. Ihr Debüt Scherbenpark wurde schon vor Jahren gefeiert und der Romanstoff inzwischen verfilmt. Trotzdem ist Nenn mich einfach Superheld mein persönliches Bronsky-Debüt – aus welchem Grund auch immer haben sich ihre Wege und die meiner Lesegewohnheiten bisher nicht gekreuzt. Was sie aber in der Zukunft sicher noch öfter tun werden.

Der Roman erzählt die Geschichte des Teenagers Marek, der sich nach einem Zusammenstoß mit einem Rottweiler und diversen Bisswunden an Kopf und im Gesicht nicht mehr in sein altes Leben zurücktraut. Fortan versteckt er nicht nur sein Gesicht, sondern sein ganzes Ich hinter schwarzen Sonnenbrillen und schiebt die Gläser von Sonnenauf- bis -untergang zwischen sich und den Rest der Welt.

Bis seine Mutter ihn unter falschem Vorwand in eine Selbsthilfegruppe mit anderen versehrten Jugendlichen lockt. Er will schon in der Tür wieder umkehren, als er Janne entdeckt. Er beschließt „nie mehr von diesem Ort wegzugehen“ und den Rest des Lebens damit zuzubringen, „diese märchenhafte Schönheit anzusehen“. Doch kaum fasst Marek etwas Vertrauen in die Gruppe, erreicht ihn die Nachricht vom Tod seines Vaters. Er muss in die Stadt seiner Kindheit zurückkehren und sich mit seiner Vergangenheit, seinem kleinen Halbbruder, einer 25jährigen ukrainischen Stiefmutter und letztendlich sich selber auseinandersetzen.

Auch wenn es die Handlung zunächst nicht vermuten lässt, Nenn mich einfach Superheld gehört für mich in die Ecke „schwarz-humorig bis leichtfüßige Literatur“. Die Engländer sind Meister darin, Nick Hornby hat es mehrfach vorgemacht. Bronsky hat aber definitiv etwas mehr Tiefgang als der englische Kollege. Bei ihr geht es um Schicksale und Verirrungen, die Suche nach der eigenen Identität und letztendlich um das Erwachsenwerden – oder nennen wir es Reife, denn nicht nur die Teenager müssen in diesem Roman kräftig rudern, um ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Fazit: Wer bissigen Humor und etwas Leichtfüßigkeit liebt, ohne auf Tiefgang und Ernsthaftigkeit zu verzichten, ist hier richtig. Ich bin jedenfalls gespannt auf Scherbenpark.

Alina Bronsky: Nennmich einfach Superheld. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013 Print-ISBN: 978-3-462-04462-1

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