M. L. Stedman: Das Licht zwischen den Meeren

Foto-7Je kürzer die Tage werden, desto langsamer wird mein Leserhythmus. Zwei Wochen habe ich an meinem letzten Roman gelesen – und das lag nicht an der Qualität des Textes! Aber vielleicht gehört Das Licht zwischen den Meeren einfach nur zu den Romanen, die spannend genug sind, um sie gerne zu lesen, aber keine so dichte Handlung aufweisen, als dass man von Neugierde getrieben ungewollt in einen Lesemarathon verfällt. Langsam genießen, so würde meine „Leseanweisung“ lauten.

Das Licht zwischen den Meeren ist mal wieder ein Debütroman. Aus Australien stammt die Autorin, die zur Zeit in London wohnt. In 32 Sprachen wurde der Roman bereits übersetzt, mehr kann man sich für ein Debüt eigentlich gar nicht wünschen. Eine Neuentdeckung war für mich in dem Zuge auch der Limes Verlag. Unterhaltungsliteratur mit Anspruch – so würde ich das Programm nach Stedmans Lektüre und Begutachtung der Verlagswebseite einschätzen.

Diesmal also Australien. Aber wer jetzt eine Geschichte inmitten von Aborigines und Kängurus erwartet, wird schnell enttäuscht. Ein Leuchtturm bzw. eine Leuchtturminsel ist der Hauptschauplatz des Romans. Von australischer Wildnis ist wenig zu spüren, eher vielleicht noch von der Lebensart der Bewohner. Tom Sherbourne übernimmt Anfang der 20er Jahre den Betrieb des Leuchtturms und zieht mit seiner Frau Isabel auf die einsame Insel. Ein Leben in Einsamkeit führen sie, nur alle 18 Monate steht ein Landurlaub an, alle 6 Monate erhalten sie neue Vorräte über ein Versorgungsboot. Der Roman wirkt  streckenweise wie ein Zwei-Personen-Bühnenstück, auf dem die wenigen Nebenfiguren vom Boot aus ins Geschehen eintreten.

Tom und Isabel sind jung verheiratet und wünschen sich Kinder, aber Isabel erleidet eine Fehlgeburt nach der nächsten. Als sie gerade ihr letztes Kind nur wenige Wochen vor der Geburt verliert, treibt ein Ruderboot an den Strand der Insel. An Bord befinden sich ein Toter und ein wenige Wochen altes Baby. Aus dem anfänglichen Gedanken, die Meldung ans Festland nur wenige Stunden herauszuzögern, entsteht bald die Idee, die Existenz des gestrandeten Bootes ganz zu verleugnen und das Kind als ihr eigenes auszugeben. Der Vater ist tot und eine Strickjacke weist darauf hin, dass die Mutter über Bord gegangen ist. Wer sollte das Kind also vermissen? Wir schreiben die 20er Jahre und das Kind würde mit Sicherheit in einem Waisenhaus landen. Muss man nicht alles tun, um ihm dieses Schicksal zu ersparen?

Doch das Baby wird vermisst. Das erfahren die beiden 18 Monate später bei ihrem Landurlaub. Aber wie soll man die Tat zu diesem Zeitpunkt noch rückgängig machen? Der Roman erzählt von dem immer unerträglicher werdenden Konflikt, der sich aus unendlicher Elternliebe und quälenden Gewissensbisse gegenüber der „anderen“ Familie ergibt.

Das Licht zwischen den Meeren konzentriert sich vor allem auf die Gedanken- und Gefühlswelt seiner Figuren. Dabei rückt die Handlung in den Hintergrund und nimmt nur wenige spektakuläre Wendungen. Die Beschreibung der Figuren und ihrer Gewissenskonflikte beschreibt Stedman jedoch intensiv und auf eine sehr sensible Art. Für mich liegt auch genau hier die Überzeugungskraft des Romans.

Ich war überrascht, wie gelungen der Text sprachlich die 20er Jahre spiegelt. Streckenweise hatte ich den Eindruck, ich lese einen 100 Jahre alten Roman und keine Neuerscheinung. Vielleicht ist dies auch der Langsamkeit des Textes geschuldet, der in rein gar nichts an die Hektik unserer Tage erinnert.

Fazit: Ein angenehm langsamer Roman, der im Großen und Ganzen auf Crime und Action verzichtet, um sich ganz seinen Figuren und ihren Beziehungen zu widmen.

M. L. Stedman: Das Lichte zwischen den Meeren. Limes Verlag München 2013.
Print-ISBN: 978-3-8090-2619-8

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Eine Antwort zu M. L. Stedman: Das Licht zwischen den Meeren

  1. Buchheldin schreibt:

    Mir hat der Roman ebenfalls ziemlich gut gefallen. 🙂

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