Shani Boianjiu: Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

BoianjiuMit gerade mal 25 Jahren hat die junge Israelin Shani Boianjiu einen Debütroman vorgelegt, der die Kritiker begeistert und der bereits in 19 Ländern zu lesen ist. Bis zum Erscheinen ihres ersten Romans veröffentlichte Boianjiu Erzählungen im New Yorker und der New York Times. Viele Elemente dieser Erzählungen finden sich nun in dem Roman wieder.

Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst ist ein Roman über das Erwachsenwerden. Die drei Freundinnen Lea, Avishag und Yael wachsen in einem Dorf nahe der libanesischen Grenze auf. Ihr Alltag ist geprägt von Langeweile – was soll man als Teenager in einem kleinen, künstlich hochgezogenen Dorf schon anstellen? Abwechslung bieten nur die heimlichen Liebschaften und die eine oder andere Party.

Gleich nach dem Abitur werden Lea, Avishag und Yael wie alle israelischen Frauen zum Militärdienst eingezogen. Yael landet an einem Stützpunkt nahe Hebron und bildet junge Rekruten an der Waffe aus, Avishag überwacht auf einem Monitor einen Grenzübergang zwischen Israel und Ägypten, während Lea an einem Posten palästinensische Bauarbeiter kontrolliert. Traumatische Erfahrungen als Folge des Militärdienstes und des bald einsetzenden zweiten Libanonkrieges bleiben nicht aus. Lea wird Zeugin, wie ein Palästinenser einem Kollegen die Kehle durchschneidet, Avishag wird mit den Leichen der Flüchtlinge in den Stacheldrähten des Grenzübergangs konfrontiert.

Doch trotz der erschwerten Bedingungen erkämpfen sich die drei Freundinnen ihren Freiraum um erwachsen zu werden. So ist Sex auch das Thema, das sich Seite für Seite durch den Roman zieht. Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst erzählt von drei Mädchen, die aufgrund der äußeren Umstände in Windeseile erwachsen werden müssen.

Nach dem Ende der Militärzeit muss jede für sich das Erlebte verarbeiten. Avishag verfällt in tiefe Depressionen und zieht wieder zu ihren Eltern. Lea rächt ihren ermordeten Kollegen durch Folter an einem Palästinenser. Yael begibt sich auf Weltreise und entflieht auf diese Weise auf etwas angenehmere Weise den Bildern der Vergangenheit.

Mich hat das Buch sehr überrascht. Das liegt zum einen an dem ungewöhnlichen Thema, kenne ich doch Geschichten mit militärischem Hintergrund eher aus der Filmwelt. Aber das Buch besticht vor allem durch seine Schnörkellosigkeit. Gut 300 Seiten raue Wirklichkeit, die durch nichts beschönigt wird. In mehr als einem Kapitel musste ich mir staunend in Erinnerung rufen, dass die Protagonistinnen noch halbe Kinder sind. Abgebrüht wirken ihre Erlebnisse und ihre Einstellung zum Leben. Es ist genau diese kuriose Verbindung von körperlicher Jugend und geistigem Erwachsensein, die diesen Roman zu etwas Außergewöhnlichem machen.

Sprachlich hat mich der Roman an einigen Stellen nicht ganz so überzeugt. Die Sprache reflektiert zwar gekonnt die schnoddrige Art der Protagonistinnen, wirkt aber an einigen Stellen doch zu unruhig. Durch den fehlenden Rhythmus erwecken einige Dialoge und Monologe einen etwas künstlichen Eindruck.

Trotzdem hat mich das Buch überzeugt. Wer sich von dem Thema Krieg und Militär nicht abschrecken lässt und auch vor einem rauhen Stil nicht zurückschreckt, ist hier richtig.

Shani Boianjiu: Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst.
Kiepenheuer & Witsch, Köln 2013. Print ISBN: 978-3-462-04558-1

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Eine Antwort zu Shani Boianjiu: Das Volk der Ewigkeit kennt keine Angst

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Da das Buch hier schon liegt und darauf wartet, gelesen zu werden, freue ich mich ganz besonders über diese doch recht positive Besprechung. 🙂 Ich bin bereits sehr gespannt darauf, wie mir das Buch gefallen wird!

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