Matthew Quick: Silver Linings

SilverLiningsIch weiß nicht, wie Ihr es mit verfilmten Romanstoffen haltet. Wenn ich einen richtig guten Film gesehen habe, reizt mich der Roman eigentlich nicht mehr. Die Geschichte kenne ich ja schon und so eine Lektüre lebt ja auch von Überraschungsmomenten. Vor allen Dingen soll mir ein Roman Raum für Phantasie bieten. Bilder und ganze Welten sollen in meinem Kopf neu entstehen. Feuerwerke. Da klebe ich dann zu sehr an den Bildern aus dem Film, als dass mein Hirn noch auf neue Ideen kommt.

Habe ich andersherum ein gutes Buch gelesen und schaue mir dann erst die Verfilmung mit meinen eigenen Bildern im Kopf an, meldet sich im Kino all zu gerne der kleine Klugscheißer in mir, „ach nee, das hätte ich jetzt aber ganz anders gemacht“.

Die Fälle, in denen mich Buch und Film in gleicher Weise fasziniert haben, kann man glaube ich an einer Hand abzählen. Auf die Schnelle fällt mir eigentlich nur In meinem Himmel von Alice Sebold/Peter Jackson ein.

Den Film Silver Linings habe ich letzten Winter im Kino verpasst. Obwohl er hochgelobt wurde, ein Oskar und mehrere Nominierungen waren dabei. Nun lief mir aber neulich in der Stadtbücherei die Romanvorlage über den Weg und da habe ich kurz entschlossen zugegriffen.

Silver Linings erzählt die Geschichte von zwei Außenseitern. Pat ist gerade aus der Psychiatrie entlassen worden und zieht mit Anfang 30 wieder bei seinen Eltern ein. Ein Vater, der die Zuneigung zu den Familienmitgliedern von den Erfolgen seiner Lieblings-Footballmannschaft abhängig macht und eine überfürsorgliche Mutter sind nicht gerade förderlich für die schnelle Genesung. Aber das ist ihm egal. Seine einzige Lebensaufgabe besteht darin, seine Frau Nikki zurückzuerobern. Seit seinem Psychiatrieaufenthalt der letzten Monate haben sie eine Auszeit genommen. Und die will Pat so schnell wie möglich beenden, in dem er a) seinen Körper wieder in Form bekommt und b) ein guter Mensch wird.

Bald dämmert aber dem Leser – und mit ihm dem amnesiegeplagten Pat – dass nicht nur einige Monate vergangen sind, sondern mehrere Jahre. Freunde von ihm haben auf einmal Kinder, die vorher nicht da waren…

Bei einer Dinnerparty wird ihm schließlich Tiffany vorgestellt. Auch sie ist nicht gerade der verhaltensunauffällige Typ. Gerade hat sie ihren Job verloren, weil sie mit allen Männern im Büro geschlafen hat. Pat scheint ihr nächstes Opfer zu sein. Seine Entrüstung kann man sich vorstellen, schließlich ist er verheiratet. Aber so ganz kann er sie nicht zurückweisen, denn sie will ihm helfen, seine Frau zurückzuerobern. Aus der anfänglichen Zweckbeziehung entwickelt sich langsam eine Freundschaft. Und irgendwann muss sich Pat fragen, ob seine Ehe mit Nikki wirklich so perfekt war, wie er sie in seiner Erinnerung schönt.

Silver Linings ist keine lustige Geschichte. Dennoch hat die Sprache eine gewisse Leichtigkeit an sich. Pat, der seine eigene Geschichte erzählt, hat oft Mühe sich in der komplexen Realität zurechtzufinden. Und so muss er seine Umgebung in Gedanken oft vereinfachen. Dazu passt diese bisweilen etwas naive Sprache sehr gut.

Silver Linings ist vielleicht kein weltbewegendes Buch. Aber eine bewegende Geschichte. Mir hat sie jedenfalls gefallen.

Ob ich den Film noch schaue, weiß ich nicht.  Bradley Cooper in der Rolle des Pat? Geht doch gar nicht.

Matthew Quick: Rowohlt Verlag Reinbeck bei Hamburg 2013
ISBN: 978-3-463400815

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4 Antworten zu Matthew Quick: Silver Linings

  1. buzzaldrinsblog schreibt:

    Das Buch habe ich mir vor einigen Wochen gekauft, bisher aber noch nicht gelesen. Nun hast du es mir dank deiner Besprechung wieder zurück ins Gedächtnis gerückt und ich danke dafür. 🙂

  2. Ménard schreibt:

    Aber eigentlich hat der Film doch ganz gute Kritiken bekommen, oder?

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