Istanbul meets Prenzlauer Berg. Über den Binooki Verlag

BinookiMeine erste türkisch-deutsche Begegnung hatte ich irgendwann in der dritten Klasse. Ülkü hieß die neue Mitschülerin, sprach kein Wort deutsch und kleidete sich irgendwie seltsam. Auch die Erwachsenen der Tempelhofer 70er Jahre waren alles andere als welterfahren im Umgang mit fremden Kulturen. „Lad doch Ülkü zu deinem Geburtstag ein“, insistierte meine Mutter und kochte dann fröhlich Spaghetti Bolognese mit einer anständigen Portion Schweinefleisch für die ganze Mannschaft. Dass Ülkü die bei allen Kindern so heiß geliebten Spaghetti verschmähte, brachte mein noch junges Weltbild ganz durcheinander.

Heute wohne ich in Prenzlauer Berg, und die türkisch-deutschen Begegnungen halten sich geographisch bedingt in Grenzen. Das änderte sich letzte Woche schlagartig, als in meinem Lieblingsbuchladen Die Insel ein ganzer Abend türkische Literatur gefeiert wurde. Binooki heißt der noch recht junge Verlag, der sich im Rahmen von 24 Stunden Buch Berlin vorstellte. Betrieben wird er von den äußerst sympathischen Schwestern Selma und Inci. Selma hatte ich schon vor einigen Wochen als Referentin auf dem Pub’n’Pub in Berlin kennengelernt.

Inci, aufgewachsen mit den türkischen Literaturklassikern ihrer Mutter, überlegte schon seit einiger Zeit, wie man türkische Literatur in Deutschland bekannter machen könnte. Über ein Blog dachte sie einige Zeit nach. Aber nach dem Besuch einer Buchmesse in Istanbul stand für die Schwestern fest: Wir gründen selber einen Verlag. Und schritten 2011 zur Tat. Seitdem verlegen sie türkische Literatur in deutscher Übersetzung.

Und das recht erfolgreich. Drei Auszeichnungen haben sie gewonnen, der Buchbestand wächst weiter. Zum zweijährigen Jubiläum ist nun der Lyrikband Istanbul Bootleg von Gerrit Wustmann erhältlich. Das einzige Buch, das im Original auf Deutsch erschien. In Auszügen stellten Selma und Inci weiterhin Secret Agency von Alper Canigüz und Der hinkende Rhythmus von Gaye Boralioglu vor.

Mein Buchregal ist genretechnisch recht bunt gemischt, aber die meisten Autoren kommen doch aus Nordamerika und Westeuropa. Entsprechend ungewohnt waren die türkischen Texte für mich. Ich denke, ich beginne mit Secret Agency. Da geht es um einen Werbetexter und eine skurrile Geschichte. Diese Welt ist mir ein bisschen vertraut. Mein Weltbild soll sich dieses Mal ganz langsam ändern.

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