Als Deutschschüler noch John Sinclair lasen. Ulrike Sterblich: Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt

Sterblich

Wir vom Jahrgang 1946, 1967, usw., Eine Kindheit in OstBerlin – eigentlich mache ich um derartige nostalgische Ergüsse einen großen Bogen. So war es auch, als ich das Buch von Ulrike Sterblich das erste Mal in der Hand hielt. Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt. Eine Kindheit in Berlin (West). Was sollte ich, aufgewachsen im West-Berlin der 70er und 80er Jahre, hier schon Neues erfahren?

Einige Monate später hörte ich zufällig ein Interview mit der Autorin im Radio. Das elektrisierende Stichwort: Pop Inn, eine Jugenddisko (jawohl, kein Club!) in Steglitz. Nein, was Neues konnte sie mir nicht erzählen, aber auf herrlich komische Weise mein Gedächtnis auffrischen. An diese Kinder-Disko hatte ich wirklich seit 1984 nicht mehr gedacht. Also, ab in den Buchladen…

Die Handlung ist eigentlich recht banal und wohl schon tausend Male in Büchern umgesetzt worden: Ein Teenager wird erwachsen und zieht dabei immer weitere Kreise durch seine Stadt auf der Suche nach Neuem und Aufregendem.

Das Spannende sind die Orte – Straßenzüge, Plätze, Geschäfte oder Gebäude. Über diese Beschreibungen vermittelt die Autorin ein ziemlich genaues Bild des Lebensgefühls einer ganzen Generation. Der Generation, die oft bedauerte, das wilde Berlin der 70er Jahre von David Bowie und Iggy Pop verpasst zu haben, und sich über eigene Orte in der Stadt neu definieren musste. Und die John Sinclair-Hefte für großartige Literatur hielt. Vielleicht ging es mit der Berliner Wirtschaft deshalb nie so richtig voran.

Für mich war es jedenfalls eine heitere Lektüre. Wer nicht aus West-Berlin stammt, hat sicher trotzdem seinen Spaß. Der Sonderstatus West-Berlins brachte so einige Absurditäten mit sich, über die man im Laufe des Buches staunen kann.

Ulrike Sterblich: Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt. Eine Kindheit in Berlin (West). Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 2012. ISBN: 978-499 62840 5

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